Generelle Anwendungsgebiete
Überwiegend wird die Passivbauweise für Wohnhäuser genutzt. Hierbei sind Reihenhäuser die einfachste Konstruktionsform, aber auch Ein- und Mehrfamilienhäuser im Passivhausstil sind keine Seltenheit.
Grundsätzlich kann aber jedes Gebäude im Passivhausstil erbaut werden. Die Umsetzung des Passivhaus-Standards ist dabei um so einfacher, je kompakter das Gebäude ist.
So entstehen im Moment auch immer mehr Bürogebäude, Schulen und Turnhallen im Passivhaus-Standard. Der Unterschied zur herkömmlichen Bauweise macht sich hier gerade im Sommer bemerkbar. Durch die großen Glasfassaden dieser Gebäude heizen sie sich bei gewöhnlicher Bauweise im Sommer stark auf. Um ein freundliches Klima im Inneren der Räume zu schaffen, wäre ein starker technischer und kostspieliger Aufwand zur Kühlung notwendig. Dieser Aufwand kann beim Passivhaus um ca 7/8 reduziert werden. Bei derartig kompakten Gebäuden entstehen nicht mal preisliche Nachteile, wenn sie im Passivhaus-Stil errichtet werden. Bei dieser Bauweise kommen nämlich geringere Geschosshöhen und kostengünstigere Fassaden zum Einsatz. Auch ist weniger Haustechnik zur Kühlung im Sommer notwendig.
Bei Sporthallen im Passivhaus-Stil ist besonders Ausgenmerk auf die großen Luftmassen im Inneren der Halle und der damit verbundenen Trägheit der Luftbeschaffenheit zu legen. Die Lüftungszeiten sollten daher zeitversetzt zu den Nutzungszeiten sein. Dennoch sind gerade solche Hallenbauten im Passivhausstil optimal, da das Verhältnis von Außenfläche und Volumen besonders günstig ist.
Speziell: Fertighaus = Passivhaus?
Fertighäuser können derzeit auch im Passivhausstandard gebaut werden. Die Fertigbauweise hat dabei einige Vorteile gegenüber der traditionellen Bauweise. So können Fertighäuser in trockenen, geheizten Werkshallen gefertigt werden. Dadurch wird das Material geschont.
Das Haus muss auf der Baustelle nur noch zusammengesetzt werden, was in wenigen Tagen von statten geht. Regensicherheit kann somit schon innerhalb kurzer Zeit erreicht werden. Weiterhin werden Fertighäuser größtenteils aus Holz errichtet. Dadurch sind sie ökologischer, da schnell nachwachsende Rohstoffe verwendet werden. Außerdem sind Fertighäuser durch den hohen Grad an Vorfertigung kostengünstiger.
Hierbei ist jedoch zu beachten, dass auch das Fertighaus individuell geplant werden muss. Das Katalogmodell eignet sich häufig nicht für die Errichtung eines Passivhauses, da z. B. Erker, Gauben und Wintergärten konstruktive Wärmebrücken darstellen, die möglichst vermieden werden sollten.
Bei der Wahl des Bauunternehmens sollte dringend auf die Erfahrung im Bereich der Passivbauten geachtet werden und Wert darauf gelegt werden, dass das Haus von unabhängiger Stelle geprüft und zertifiziert wird.

Speziell: Sanierung von Gebäuden zum Passivhausstandard
Bei der Sanierung bereits bestehender Gebäude ist eine erheblich Reduzierung der Wärmeverluste möglich. Der Passivhausstandard ist jedoch nicht immer erreichbar.
Die Erneuerung der Fenster ist ein entscheidender Faktor einer Sanierung. Gängige Fenster ermöglichen bei einer Außentemperatur von – 10 ° C eine Temperatur an den Innenseiten von 10 – 15 ° C. Setzt man dagegen die Passivhausfenster mit optimierten Rahmen und 3fach verglasten Scheiben ein, sind Innentemperaturen von 18 ° C und mehr zu erreichen.
Die Erneuerung der Fenster sollte im Zusammenhang mit der Aufbereitung der Dämmung erfolgen.
Diese stellt den schwierigsten Teil bei der Sanierung eines Hauses zum Passivhaus dar, denn nicht immer ist eine zusätzliche Außendämmung möglich. In diesen Fällen muss in den Wohnraum eingegriffen werden, um eine Innendämmung anzubringen. Dies sollte nur von kompetenten Fachleuten erledigt werden, da hierbei eine erhöhte Bauschädengefahr besteht, dies gilt insbesondere, wenn wegen Platzmangels nur geringe Dämmstoffdicken zum Einsatz kommen können und somit Vakuum-Dämmsysteme in Erwägung gezogen werden.
Bei der Beschaffenheit der Dämmung und Vermeidung der Wärmebrücken gelten die gleichen Grundsätze, wie bei der Neuerrichtung eines Passivhauses.
Auch ein zum Passivhaus saniertes Gebäude braucht eine Komfort-Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnungssystem. Die Lüftungsleitungen können entweder im Boden oder in Schächten unter der Decke angebracht werden. Weiterhin bieten sich Weitwurfdüsen an, um die benötigten Lüftungsleitungen möglichst gering zu halten.
Um den einwandfreien Ablauf des Lüftungsbetriebes zu gewährleisten, ist die Erneuerung der Innentüren unerlässlich. Die Türen müssen über Überströmungsöffnungen verfügen, die die Zu- bzw. Abluft ungehindert vorbeiziehen lassen.
